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Aisha und Bille einschl. Billes Geschichten

Die Äffchen haben ihre
"Bodyguardin", die Rhodesian Ridgeback-Hündin Aisha, verloren ...

aber es gibt eine hübsche Nachfolgerin ...
Wer Billes Geschichte lesen möchte, möge bitte gaaaanz
weit nach unten scrollen ...

Aisha, WT. 21.6.2007
mussten wir schweren Herzens
am 4. Mai 2020
erlösen lassen.

Nochmals Danke, Familie Wiese,
dass Sie diese tolle Hündin
nach ihren wenig 
schönen ersten Lebensmonaten gerettet
und uns dann anvertraut haben.


Aisha führte bei uns ein glückliches
Leben -
geliebt, behütet und bestens versorgt
bis zum letzten Atemzug,
den sie unter unseren streichelnden Händen tat.





Wir hoffen, dass sie inzwischen ihren liebsten Freund Ben

am Fuße der Regenbogenbrücke getroffen ha
t ...


***








irgendwie drückt der Korb... merkwürdig, die anderen passen doch hinein???

 


auch das Kissen ist zu klein...




aha.. so passt es besser..., aber jetzt ist mir ganz schwarz vor Augen


Jetzt übe ich mal den "Bodyguard-Blick ...

er gelingt mir ganz gut, aber wenn ich mir die Äffchen anschaue, können sie schon alleine auf sich aufpassen...



...und ist das Körbchen noch so klein, 
Candy und ich passen hinein!


Aisha und ihr Freund Ben beim "Rangeln"

Ben und die Babies schaffen einen ganz schön...


***

Es war wirklich eine wunderbare Zeit mit Aisha, aber es gibt eine würdevolle Nachfolgerin - hier kommt Billes (beinahe) unglaubliche Story:

Es war im April 2019, als hier in unserem klitzekleinen Dörfchen ein fremder Hund - ein dreifarbiger Border Collie - auftauchte. Er sah abgekämpft und „fix und fertig“ aus. Scheinbar planlos lief er von Haus zu Haus und da, wo es nach anderen Hunden roch, verweilte er ein wenig. Irgend jemandem gelang es, ihn zu der Hundepension, die es in unserem Dörfchen gibt, zu locken. Den Versuchen, ihn anzuleinen, entzog er sich geschickt und auch ein wenig panisch, aber irgendwie kam er doch schließlich in einen der Zwinger der Hundepension. Es zeigte sich bei näherem Betrachten, dass der Fremdling kein „Er“, sondern eine „Sie“ war. Ins I-Net gestellte Fotos der Border-Dame und Recherchen brachten Erfolg - die Hündin stammte von einem etwa acht Kilometer entfernten Schafhof, dessen Besitzer verstorben war. Der Hof wurde mitsamt Schafen und Hund an jemanden verkauft, der nach und nach die Schafe abschaffte und schließlich nur noch zum Wochenende dorthin kam. Die Hündin blieb weitgehend alleine und sich selbst überlassen - versorgt durch einen Mitarbeiter, der auf dem Hof nach dem rechten schaute. Nun, eben dieser Mitarbeiter kam, um die Border Collie-Dame aus der Hundepension abzuholen. Ende der Geschichte. Ende der Geschichte? Oh nein, ganz im Gegenteil - hier fing sie an.

Es dauerte kaum ein paar Stunden, da war „Ille“ wieder im Dorf. Das Spiel wiederholte sich. Sie kam in den Zwinger der Hundepension, sie wurde vom Mitarbeiter abgeholt - und - büxte wieder aus, rannte zurück in das Dörfchen. Doch etwas war anders als zuvor: Ille lief ganz gezielt zu unserem Grundstück. Ich übergab sie der Hundepensionsfrau, wieder kam der Mitarbeiter. Auf den Armen trug er die Hündin zu seinem Auto, denn anleinen ließ sie sich wirklich absolut nicht. Als der Mann die Hündin ins Auto legte, wo sie sich unterwürfig auf den Rücken warf, traf mich ihr Blick. Ich habe in meinem langen Leben schon in viele Hundeaugen geblickt, aber noch niemals sah ich so viel Verzweiflung und Flehen darin. Ich war tief berührt und versuchte, Einzelheiten über Illes Leben zu erfahren, aber das gelang mir nicht. Der Mitarbeiter des Besitzers erwies sich als mehr als wortkarg und meinte nur, sie würde jetzt wohl endgültig und dauerhaft in den Zwinger gesperrt, weil sie ja doch immer nur fortliefe. Irgend etwas in mir veranlasste mich, augenzwinkernd zu sagen, dann möge er doch die Tür bitte nicht ganz so fest verriegeln. Die Antwort lautete: „Die entwischt doch sowieso immer. Wir haben alle Löcher im Zaun geschlossen, aber irgendwo findet sie immer wieder eine Möglichkeit...“

Und so war es. Wieder dauerte es nicht lange, da stand Ille erneut vor unserem Zaun. Wieder traf mich dieser Blick, schien zu sagen: „Mach doch was!“ 

Nun waren Border Collies noch nie „meine“ Rasse. Nicht, dass sie mir nicht gefielen, oh nein. Ich hatte zu meiner Zeit als Agility-Trainerin zu vielen von ihnen Kontakt und bewunderte sie, aber ich habe auch viele bei einer befreundeten Tierärztin kennengelernt, mit denen es in der Familie ernsthafte Probleme gab, weil man ihrem Arbeits- und Leistungswillen nicht gerecht wurde und sie dann zu echten Problemhunden wurden ... Nein, bei all meinen Überlegungen, welche Rasse einmal die Nachfolge unserer Rhodesian Ridgeback-Hündin Aisha antreten sollte - ein Border Collie war nicht einmal unter „ferner liefen“ dabei. 

So, und nun stand also Ille da wieder vor dem Zaun. Ich sprach mit meinem Mann, und auch er hatte Mitleid mit dem Hund, der ja sicher nicht ohne Grund immer und immer wieder von zu Hause fortlief. 

Er meinte: „Wenn sie sich mit unseren Hunden verträgt und wenn der Besitzer einverstanden ist, dann kann sie ja einfach hier mit auf dem Grundstück herumlaufen. Offensichtlich will sie ja hierher - warum auch immer...“

Gesagt - getan. Tor geöffnet. Die ohnehin fremden Hunden gegenüber meist sehr rigorose Ridgeback-Dame Aisha fand das überhaupt nicht toll. Ein ridgeback-mäßiger, schneller Spurt, ein kräftiger Rempler und ein kurzes, tiefes Gegrummel verdeutlichten Ille, dass sie „persona non grata“ war. Und dann hatten auch noch unsere Affenpinscher das Geschehen mitbekommen - energisch-entschlossen keifend-kneifend eilten sie Aisha zur Hilfe. Nein, es ging wirklich nicht - Ille konnte nicht bleiben. Trotz ihres flehenden Blickes setzte ich sie vor das Tor. Die Geschichte mit dem Mitarbeiter wiederholte sich zum x-ten Mal. 

Dann, eines Tages - wildes Gebell unserer Hunde am Zaun. Draußen stand Ille - gefolgt von der Besitzerin der Tierpension. Die Border-Dame war erneut im Dorf aufgetaucht; die Besitzerin der Tierpension wollte sie in einen Zwinger sperren, um den Besitzer anzurufen. Ille entschlüpfte ihren Armen und - rannte zu uns. Und da stand sie wieder und warf mir diesen schier unglaublichen Blick zu. Und ich - verrückt wie ich bin - öffnete noch einmal das Tor. Aisha bekam eine scharfe Ansage und blieb - äußerst skeptisch und unwillig dreinblickend - auf Distanz. Und Ille? Ille hatte ja an einer Schafherde gearbeitet und versuchte nun, die Affenpinscher zu „hüten“. Das klingt liebevoll-niedlich, ist es aber nicht. Hütearbeit ist harte Arbeit, weitab jeglicher Romantik. Ille versuchte, die „Äffchen“ zusammenzutreiben, indem sie ihnen auch schon mal in die Hinterbeine zwickte. Oh, sie kannte keine Affenpinscher - und sie kannte auch mich nicht. Den nachfolgenden Tumult kann ich nicht richtig beschreiben, ich war zu beschäftigt und erinnere mich nicht mehr an Details. Ich weiß nur noch, dass nach recht kurzer Zeit alles still und friedlich war. Die Affenpinscher trollten sich zu Aisha und Ille stand ein wenig verwirrt dreinblickend da. Aber es herrschte Ruhe - und es floss auch kein Blut. Es gab auf beiden Seiten nicht die kleinste Schramme. 

Nun, unsere Nachbarn, herbeigerufen durch das Getöse, wussten ebenfalls, wem Ille gehörte, und nun waren sie es, die den Besitzer anriefen, der dieses Mal persönlich erschien. 

Ich fragte höflich, ob ich einmal mit ihm reden dürfe - und er willigte ein. Er meinte, die Hündin „sei nicht klar im Kopf“ und...und...und... Und ich? Ich fragte, ob ich sie vielleicht einmal eine Woche lang behalten dürfe, um sie näher kennenzulernen. Ich durfte. Der Besitzer meinte allerdings, ich müsse unseren Zaun erhöhen, weil der für Ille kein Hindernis sei. Meine Erwiderung lautete, dass ich nicht beabsichtigte, den Hund einzusperren. Wenn sie zu ihm zurücklaufen wollte, dann sollte sie das tun. Na gut. Ille blieb. Offensichtlich war es ja genau das, was sie wollte. Behutsam nahm ich Kontakt auf, zärtlich stupste sie meine Hand und leckte sie zaghaft. Nach einem Tag gelang es mir, ihr einfühlsam ein Halsband umzulegen, nach zwei Tagen durfte ich sie anleinen. Sie lief bei mir an der Leine, als sei das das selbstverständlichste der Welt. 

Dann kam ein Anruf des Besitzers: Offensichtlich fühle sich der Hund ja wohl bei uns und er wolle mit seiner Familie in Urlaub zu fahren. Ob wir Ille für drei Wochen in Pension nähmen? 

Ja - okay. 

Die Wochen vergingen - nichts tat sich. Per SMS fragte ich bei dem Besitzer an, was denn nun sei und ob er Ille denn nicht ganz bei uns lassen wolle. Nach dem Austausch einiger SMS willigte er ein. 

Ille, die nun Bille heißt, lebte zunächst - ganz wie geplant - draußen. Sie kannte es ja nicht anders. Nachts schlief sie in unserem muckeligen Heizungsraum. Tagsüber aber „klebte“ sie förmlich an mir und folgte mir nahezu auf Schritt und Tritt - auch ins Haus hinein, wo sie sich selbst ein Eckchen in der Diele auswählte, von wo aus sie das Geschehen im Blick hatte. Sie erwies sich als einfach nur lieb und unkompliziert. Unsere „alteingesessenen“ Hunde ignorierte sie - und umgekehrt war es ebenso. So ging das ein paar Tage lang, doch traf mich jeden Abend, wenn ich sie zum Schlafen in den Heizungsraum brachte, wieder jener flehentliche Blick... Also gut - soll sie doch mal eine Nacht im Haus „probeschlafen“. 

Ich war für den nächsten Morgen auf den Anblick ihrer „Hinterlassenschaften“ vorbereitet - aber: weit gefehlt... Da war nichts, gar nichts. Brav ging Bille mit mir ins Freie, um dort das Notwendige zu verrichten. 

Inzwischen ist Bille längst ganz und gar unser Hund; mit den anderen lebt sie in friedlicher Koexistenz. Fancy, die jüngste Affenpinscherdame, darf sogar hautnah dabei sein, wenn sie Mäuse fängt. Fasziniert schaut die Kleine, das Köpfchen dicht am Geschehen, zu - und Bille duldet es. Zu anderen Menschen ist sie lieb und freundlich und genießt deren Streicheleinheiten. Aber eine kurze, angedeutete Kopfbewegung von mir, ein kurzes Rufen ihres Namens - schwupps, ist sie bei mir. 

Leider ist Aisha ja nun inzwischen zur Regenbogenbrücke gegangen, aber die Überlegungen, welche Rasse ihre Nachfolge antreten wird, haben sich erledigt.

Update:

Nach Aisha verließen uns leider nacheinander auch noch die Stammmutter unseres Zwingers Lakritznase - My Fair Lady Maskottchen - im Alter von fast 17 Jahren, danach ihre Tochter Lakritznase Candy Girl, die fast 15 wurde. Dann machte sich im November 2021 auch noch unser "Notfellchen", die Russkiy-Toy-Dame Thalia auf den Weg zur Regenbogenbrücke.

 

 

Nur noch Bille und Lakritznase Fancy Girl begleiteten unsere Wege - bis dann, ja bis dann - das allgegenwärtige Schicksal meinte, uns auf einen winzigen Hund zu stupsen. Abgemagert bis aufs Skelett, gepackt in eine Plastiktüte und eine Reisetasche - fortgeworfen zum Sterben.

Der kleine Kerl hatte Glück - er wurde rechtzeitig gefunden und ins Tierheim Hannover gebracht, wo liebe Menschen ihn wieder aufpäppelten. Als ich meinem Mann die Bilder von "Bones", wie ihn das TH-Team treffend nannte, zeigte, war er erschüttert und bat mich, mich um den Kleinen zu bewerben.
Das tat ich - mit Erfolg.
Seit Ende Januar lebt der Winzling, der nun "Mäxchen" heißt, bei uns, so, als sei er nie irgendwo anders gewesen.

Ein dickes Dankeschön an das

Team des Tierheims

Hannover!

 

 

 

 

Fast eine Weihnachtsgeschichte - wenn sie sich nicht im Frühling zugetragen hätte...

Manchmal werden Träume wahr...

 

Die Geschichte der Border Collie-Hündin Bille

(nach einer wahren Begebenheit)

von Gabriele Trosbach


Bille lebte zusammen mit ihrem Border Collie-Freund Toby auf einem einsam gelegenen Bauernhof. Alles machten sie gemeinsam, auch das Hüten der großen Schafherde. Gut, das konnte Toby irgendwie besser als Bille, aber die Hündin bemühte sich wenigstens, und für ihren Besitzer und auch den angestellten Schäfer war das in Ordnung. Die beiden mochten die hübsche, dreifarbige Hündin mit dem charmanten Wesen einfach - da kam es nicht so auf die Arbeitsleistung an.

Der Frau des Besitzers waren die Hunde ziemlich egal - sie gehörten eben auf den Hof.

Der Bauer liebte es, wenn die Borders ihn auch am Abend ins Haus begleiteten, aber das sah seine Frau nicht gerne. "Die beiden machen nur Schmutz und Arbeit", sagte sie, aber immerhin duldete sie es, dass die Hunde bei kaltem Wetter auf die große Tenne kamen. War sie allerdings zu ihren Landfrauenabenden unterwegs, dann ließ es sich Billes und Tobys "Herrchen" nicht nehmen, die beiden mit in die gute Stube zu nehmen.

Die Border Collies genossen diese Abende sehr - so ganz nah bei ihrem Herrn, der auch nicht mit den begehrten Streicheleinheiten geizte.

Es war ein gutes Leben, das die Hunde führten - sie hatten eine Aufgabe und - ganz wichtig für solche sozialen Tieren - sie genossen menschliche Zuwendung.


Doch eines Tages meinte das Schicksal es nicht mehr gut mit den beiden. Das war jener Tag, als ein großer weißer Wagen mit Blaulicht und Sirenengeheul auf den Hof jagte. Bille und Toby hatten so etwas noch nie erlebt. Zwar kannten sie es, dass fremde Autos auf den Hof fuhren - mal war es der Tierarzt, der die Schafherde betreute, mal waren es Kunden, die Fleisch kauften. Mehrmals im Jahr kamen auch viele Besucher zum bunten Treiben des Bauernmarktes, aber noch nie war eines mit Sirenengeheul und Blaulicht dabei gewesen. Bille und Toby wurden unruhig. Sie wurden noch unruhiger, als die Menschen, die mit dem Fahrzeug kamen, in höchstem Tempo ins Haus liefen. Und dann, ja dann, kamen diese Menschen wieder heraus und holten eine Trage aus dem Auto. Sie eilten erneut ins Haus und als sie zurückkehrten, lag der Bauer auf der Trage.

Bille und Toby ahnten nichts Gutes, aber in den folgenden Tagen ging das Leben erst einmal in der gewohnten Weise weiter - außer, dass sie gar nicht mehr ins Haus durften.


Eines Nachts änderte sich Tobys Verhalten. Bille hatte schon lange Veränderungen an ihrem Freund bemerkt, sie spürte, dass das Alter seinen Tribut forderte. Mal war es ein leichtes Lahmen, mal spürte die sensible Hündin, dass Tobys Augenlicht nachließ, aber das machte nichts. Viele der Schafe waren verkauft worden, und die paar verbliebenen hütete die Hündin alleine.


In jener Nacht aber wurde alles anders. Toby stand auf - schleppend, lahmend. Er taumelte ein paar Schritte, dann verließ ihn die Kraft, er sackte in sich zusammen und fiel auf die Seite. Bille folgte dem Freund und stupste ihn an, einmal, zweimal - immer wieder. Dann spürte die Hündin, wie sich Tobys Geruch veränderte und sie wusste instinktiv, was das bedeutete. Sie setzte sich neben den Rüden und ließ ihrem ganzen Schmerz freien Lauf. Klagend heulte sie ihr Leid in die Nacht. Im Haus wurde ein Fenster geöffnet und die Frau forderte lautstark nach Ruhe. Bille gehorchte und legte sich dicht, beinahe wie gelähmt, neben den leblosen Körper, so als hoffe sie, dass sie ein wenig von ihrer Wärme auf Toby übertragen könne. So fand sie am nächsten Morgen der Schäfer. Der Mann tätschelte Billes Kopf, dann nahm er den Rüden und trug ihn zu seinem Jeep, um ihn fortzubringen...

Die Hündin war verwirrt - was sollte sie tun?

Traurig strich sie umher und vertrieb sich die Zeit, indem sie bei den wenigen verbliebenen Schafen für Ordnung sorgte und ab und zu eine Maus fing. Der Schäfer kam nicht mehr täglich - was sollte er auch auf einem Hof ohne Schafherde?

Bille versuchte immer dann, wenn sich die Frau des Hauses draußen sehen ließ, Kontakt aufzunehmen. Das sensible Tier spürte, dass es der Frau nicht gut ging und hätte sie gerne getröstet, aber die Frau hatte so gar nichts übrig für Hunde. Sie wusste nicht, welch einfühlsamer Tröster ein Hund sein kann. So ging sie nicht auf das liebevolle Stupsen an ihrer Hand ein und sie spürte auch nicht, wie sehr Bille litt.


Ein paar Tage später kam wieder einmal der Schäfer. Bille lief freudig auf ihn zu, aber entgegen seiner sonstigen Gepflogenheit tätschelte er nicht ihren Kopf - nein, er nahm sich überhaupt keine Zeit für sie und ging direkt ins Haus. Als er wieder herauskam, wirkten seine Züge wie versteinert. Eilig lief die Hündin zu ihm. Der Mann strich ihr fahrig durch das Fell und stieß rau und hart hervor: "So, mein Mädchen. Das war es für uns. Der Bauer ist gestorben, der Hof wird verkauft und ich muss mir einen neuen Job suchen."

Kreidebleich stieg er ins Auto und fuhr davon. Bille sah ihn nie wieder.

In der nächsten Zeit wurde es sehr turbulent auf dem Hof. Es kamen viele Autos, es kamen viele Menschen. Die letzten paar Schafe wurden verkauft, dann fuhr ein Möbelwagen vor. Die Hündin blieb ganz alleine zurück, nur ab und zu tauchte ein früherer Mitarbeiter auf, der sie fütterte.


Eine Weile war es nun sehr, sehr still auf dem Hof, doch das änderte sich schlagartig, als der neue Besitzer kam. Er kam nicht alleine, er kam mit seiner Frau und ... er kam mit zwei lebhaften Kindern.

Bille freute sich - sicher würde nun alles wieder gut. Sie mochte Kinder! Oft genug hatte sie Kontakt zu jenen der Besucher des öfters auf dem Hof abgehaltenen Bauernmarktes und ließ sich gerne von ihnen streicheln.

Als die Hündin jedoch diese Kinder näher kennenlernte, änderte sie ihre Meinung. Das Mädchen ging ja noch, aber der Junge! Er legte Bille ein Halsband um und zerrte sie an einer Leine durch die Gegend. Er verlangte Dinge von ihr, die sie niemals gelernt hatte. Wie sollte sie wissen, was er von ihr wollte, wenn er "Bei Fuß!" oder "Platz" sagte. Sie hätte gerne gehorcht und sie hätte schnell gelernt, aber der Junge war nicht in der Lage ihr zu zeigen, was sie tun sollte. Statt dessen riss er an der Leine und schlug Bille auch, wenn er frustriert brüllte: "Ich dachte, Border Collies wären so schlau! Du bist ein dummes Vieh!"

Zunächst hatte die Hündin ja noch gehofft, dass sie wenigstens nun wieder tägliche Gesellschaft hätte, aber bald war sie froh, dass die Familie nur am Wochenende kam und ihre Torturen mit Beginn einer neuen Woche endeten. Tristesse kehrte ein. Niemand kümmerte sich mehr um sie. Der Arbeiter, der Bille hin und wieder gefüttert hatte, kam auch weiterhin, um notwendige Dinge zu erledigen. Aber er kam eben nicht regelmäßig. Die Hündin magerte ab, sie wurde struppig. Und sie wurde immer deprimierter - eigentlich vegetierte sie nur noch so dahin.

Während sie teilnahmslos vor sich hin döste, schlichen sich Bilder in ihren Kopf. Bilder von den Kindern der Besucher des Bauernmarktes, die zum Teil selber Hunde mitbrachten - ausgeglichene Hunde, die Zufriedenheit ausstrahlten. Bilder von einer Hand, die sie streichelte, Bilder von Menschen, die die Nähe eines Hundes mochten, die seine Begleitung schätzten.

Bille begann zu träumen. Träumte von einem besseren, einem wieder lebenswerten Leben. Ihre Füße zuckten, so als liefe sie, ihre Schnauze stupste, so als stupse gegen sie eine warme, liebevolle Hand.

Und irgendwann stand die Hündin wie in Trance auf. Sie wusste nicht genau, was sie wollte. Sie wusste nur eines - so konnte sie nicht weiterleben - aber sie wollte auch noch nicht sterben.

Bille lief davon. Ziellos - nur weg von dem nun ungeliebten Hof. Sie lief und lief, bis sie schließlich in ein kleines Dorf kam. Hier roch es nach anderen Hunden! Sollte es hier vielleicht jemanden geben, dem sie ihre Liebe schenken durfte?

Bille suchte und suchte, lief von Grundstück zu Grundstück, bis schließlich eine Frau auf sie aufmerksam wurde. Ein interessanter Geruch ging von ihr aus - der Geruch von anderen Hunden! Die Border-Dame freute sich - sollte sie gefunden haben, was sie suchte? Als die fremde Frau versuchte, ihr ein Halsband überzustreifen, kehrten mit einem Schlag alle Erinnerungen an die schrecklichen Kinder zurück. Nein, sie würde nicht mehr zulassen, dass man ihr etwas um den Hals band!

Die Frau verstand sich auf den Umgang mit Hunden - schließlich betrieb sie eine Hundepension! Sie verzichtete auf weitere Versuche, die Hündin anzuleinen und lockte sie geschickt auf ihr Grundstück, lockte sie in einen Zwinger. Und sie fand irgendwie heraus, wem Bille gehörte. Bald kam der Arbeiter. Er packte die Border-Dame in sein Auto und brachte sie zurück zum Hof, wo man sie einsperrte.

Aber Bille war klug. Schlagartig war ihr klargeworden, wonach sie suchte. Es gab in dem Dorf noch mehr Häuser mit Hunden - vielleicht gäbe es doch jemanden, der dort ein Plätzchen für sie hätte ...

So nutzte sie die erste sich bietende Gelegenheit, wieder davonzulaufen. Der Zaun stellte kein Hindernis dar und rasch machte sie sich wieder auf den Weg. Wieder lief sie viele Kilometer in das kleine Dorf. Hier stromerte sie herum und entdeckte schließlich ein Haus, auf dessen Grundstück es ebenfalls nach Hunden roch. Doch sie hatte Pech. Ehe sie sichs versah, landete sie erneut im Zwinger der Hundepension, wieder holte der Arbeiter sie ab, wieder sperrte man sie ein. Der Zaun wurde erhöht.

Doch Bille wusste jetzt genau, was sie wollte. Sie wollte zu diesem Haus mit dem Grundstück, das nach Hunden roch! Sie suchte die gesamte Länge des Zaunes ab und fand eine Stelle, an der sie ein Loch buddeln konnte. Rasch schlüpfte sie in die Freiheit und - landete wieder in der Hundepension.

Das Ganze wiederholte sich viermal, bis endlich die Frau, die zu dem Haus mit dem interessant riechenden Grundstück gehörte, auf die Hündin aufmerksam wurde. Sie hatte zwar schon von Billes erstem Auftauchen im Dorf gehört, war sich aber, als die Hündin nun vor ihrem Zaun stand, nicht darüber im Klaren, dass es eben genau dieser Border Collie war, der schon ein paarmal das Dorf besuchte. Sie dachte, Bille sei ein entlaufener Gast der Hundepension und ... sie brachte sie fatalerweise eben erneut dorthin. Nein, die Hündin wollte nicht in den Zwinger. Sie wollte nicht eingesperrt sein - weder auf ihrem Hof noch hier. Sie wollte nur eines - menschliche Nähe. Und nun nahm die Border-Dame all ihren Mut und ihren Willen zusammen. Sie ließ sich nicht in den Zwinger locken. Geschickt schlug sie mit der ihr eigenen Geschwindigkeit einen Haken und rannte ... rannte zu jenem Grundstück, zu dem sie sich instinktiv, beinahe wie magisch, hingezogen fühlte. Und endlich begriff die Frau, die dort lebte! Sie sprach ein paar Worte mit ihrem Mann - dann öffnete sich das Tor!

Ups. Der Empfang war wenig freundlich und ließ auf kein Happy End hoffen. Eine alte, erfahrene, kräftige Rhodesian Ridgeback-Hündin mit einem eindrucksvollen Gebiss verdeutlichte Bille mit tiefem Knurren, dass es auf diesem Grundstück keinen Platz für sie gab. Und dann, dann kamen auch noch kleine schwarze, kläffende Wesen angerast. Sie rochen zwar auch wie Hunde, aber sie waren so klein... Bille konnte sie nicht einordnen und beschloss, ihre Talente zu zeigen. Vielleicht ließen sich diese kleinen Wesen ja hüten und die Frau würde ihre Dienste zu schätzen wissen!

So umkreiste sie die schwarzen Tiere und versuchte, sie zusammenzutreiben, wobei sie auch den einen oder anderen Hütebiss in deren Hinterläufen anbrachte. Wieder ups. Bille unterschätzte die kleinen Dinger gewaltig, denn es waren Affenpinscher. Und was so ein richtiger Affenpinscher ist, der ist so schnell nicht einzuschüchtern. Die „Äffchen“ boten lautstark und entschlossen schnappend Paroli. Die Frau schätzte das alles ganz und gar nicht. Sie sagte irgendetwas von "wenn sie die Affenpinscher hütet, kann sie nicht hierbleiben" und verdeutlichte Bille ziemlich energisch, wie ernst ihre diese Äußerung war. Schneller, als sie auf das Grundstück gekommen war, stand sie wieder auf der anderen Seite des Tores. Bautz. Aus die Maus. Wieder kam der Arbeiter, wieder landete Bille auf dem Hof.

Aber nun gab es für die Hündin nur noch eines: Sie wollte bei dieser Frau leben!

Kaum bot sich die Gelegenheit, lief sie wieder fort, lief direkt zu dem Grundstück mit der unfreundlichen Ridgeback-Dame und den kessen Affenpinschern.

Die Frau hörte das Kläffen der "Äffchen" und kam, um nach dem Grund zu sehen. Nun zog Bille alle Register. Oh ja, Border Collies sind schlau! Sie setzte ihren sanftesten Schmuseblick auf und klappte die Ohren an, so dass sie beinahe aussahen wie die eines Teddybären. Die Frau musste lachen und öffnete noch einmal das Tor. Sie gab der tief knurrenden Ridgeback-Hündin ein klares Kommando. Bille versuchte wieder, die Affenpinscher zusammenzutreiben, doch da bekam sie die deutliche Ansage, dass das nun gar nicht ging. Die kluge Hündin verstand. Wollte sie bleiben, so durfte sie das wirklich nicht tun...


Wie es weiterging?

Nun - nach langem Hin und Her verständigte sich die Frau mit Billes Besitzer. Es wurde eine Probezeit vereinbart und schließlich durfte die Border Collie-Hündin in ihrem selbst ausgewählten neuen Zuhause bleiben.

Sie lebt heute in friedlicher Eintracht mit den Affenpinschern und hat so eine Art Agreement mit der Ridgeback-Hündin...

Rasch lernte sie viele Kommandos. Auch Halsband und Leine sind ihr schon lange vertraut; gerne lässt sie sich beides anlegen, um gemeinsam mit den übrigen Hunden zur täglichen Wanderung aufzubrechen...


Manches Mal werden Träume eben doch wahr - man muss es nur wollen!




 

 
 
 
 

 

 
 
 
 

 

 
 
 
 

 

 

 
 

 
Kesser Kobold - fast vergessen
Diese Seite ist einer Hunderasse gewidmet, die gerade hier im Mutterland ihres Entstehens ziemlich in Vergessenheit geraten ist...
 
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